Im Rahmen meiner Diplom - und Masterarbeit habe ich mich dem Thema „Der urbane Raum im Comic“ gewidmet. Als Endprodukte sind dabei ein gleichnamiges Buch mit der wissenschaftlichen Untersuchung sowie der Kurzfilm Urbicande entstanden.

Hier finden Sie eine kleine Zusammenfassung des Themas, einen Einblick in das Buch und können sich zudem – wenn auch in geringer Auflösung – die filmische Arbeit ansehen.


Teil 1 - Praktisches Projekt

Urbicande – Film (6 Minuten)

Während der wissenschaftliche Teil der Arbeit verbal durch die Städte der Comics führt, visualisiert das praktische Projekt eine Comicstadt im Besonderen.
Urbicande - entworfen vom belgischen Comiczeichner Francois Schuiten („Das Fieber des Stadtplaners“) wird dabei in den dreidimensionalen Raum übertragen, um dadurch einen weiteren - filmischen - Zugang zu dem von ihm beschriebenen Lebensraum zu ermöglichen.
Die Kamera kann nun in die flächige Darstellung der Comicstadt eintauchen und findet dahinter eine räumliche Rekonstruktion der Stadt Urbicande, durch deren Strassen und Gebäude sie sich schliesslich bewegt
Die Atmosphäre der Stadt soll hier - unabhängig von der Handlung des Comic - erfahrbar werden.
Zwar führt die Kamera immer wieder an Orte die der ursprünglichen Erzählung entnommen sind, doch an diesen Schnittstellen ist die Handlung eingefroren. Die Protagonisten der Geschichte sind dort als flächige „Pappaufsteller“ zu sehen. Sie dienen dabei der Verdeutlichung von Maßstäben, also der Situation der Figur in der so überproportioniert und monumental entworfenen Stadt Urbicande.


Filmstills


Film



Festivals/Awards

Animago/fmx, Stuttgart, Germany (2003)
2nd place in education animation visualisation

Architecture and Filmfestival Berlin, Germany
1st place (festival) and 1st place audience award (2004)

Trickfilmfestival Stuttgart, Germany (2004)




Teil 2 - Wissenschaftliche Arbeit

Comic Kulissen - Der Urbane Raum im Comic

Auszug:

Seit Beginn der Comicgeschichte haben vor allem (fiktive) Städte und Darstellungen von Architektur stets eine zentrale Rolle gespielt. Das Comic-Universum ist voll von surrealen Traumwelten,
(Groß-)Stadtutopien, mythologischen Comic-Metropolen, aber auch von Darstellungen realer Städte in ihrem geschichtlichen oder gegenwärtigen Zustand. Diese in Bildern eingefrorenen Stadtporträts erzählen von Vergangenheit, Gegenwart und der möglichen Zukunft. Sie bilden ein großes Archiv von Dokumenten über gesellschaftliches und urbanes Leben.

Fast immer wissen Comiczeichner um die Bedeutung ihrer Settings. Comics sind ein rein visuelles Medium. Während der Film auf den Einsatz von Geräuschen oder Musik bauen kann, sind Comics vor allem auf ausdrucksstarke Kulissen angewiesen, um eine dichte Atmosphäre für ihre Geschichten zu schaffen.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte - der Comic, der oft nur begrenzt Text verwendet, schafft daher mit seinen Hintergrundbildern, Statisten und kleinen Details eine weitere “lesbare” Ebene. Allerdings muß diese vom Leser erst erschlossen werden. Oft subtil weisen urbane Räume beispielsweise durch architektonische Kleinigkeiten auf Armut oder Reichtum, Ordnung oder Chaos hin, und helfen die Geschichte in einer bestimmten Epoche oder Jahreszeit anzusiedeln.

Trotz alledem werden Comics oft nur als Gesamtwerk wahrgenommen und konsumiert. Vieles ist bekannt über deren Handlungen und Charaktere, die Handlungsorte jedoch bleiben meist im wahrsten Sinn „im Hintergrund“. Wenn man jedoch einmal nicht so sehr darauf achtet was die Protagonisten der Comics gerade tun, sondern wo sie sind wird man feststellen, dass die Schauplätze weit mehr sind als zufälliger Hintergrund oder hübsche Dekoration und vielleicht auch Aussagen über unsere reale Welt treffen.

Besonders die Stadtkulisse, als eine vielfach eingesetzte Erscheinungsform des Comichintergrunds eignet sich hierfür als Gegenstand der Betrachtung.
Zum einen ist die moderne Stadt (und vor allem die Großstadt) seit ihrem Auftauchen zu Beginn des 20. Jahrhunderts Mittel - und Ausgangspunkt des sozialen und kulturellen Lebens. Immer mehr Menschen leben in immer größer werdenden Städten. Damit wird die Großstadt „zum qualitativ neuen Lebens- uns Erfahrungsraum – dem genuinen Erfahrungsraum des 20. Jahrhunderts.“(1) Die Spuren bedeutender Ereignisse oder Veränderungen der modernen Gesellschaften sind daher in und an der Stadt am deutlichsten sichtbar.

Zum anderen beflügelt die Vielfalt der großen Metropolen auch immer das Schaffen von Kunst – und Kulturschaffenden. Sie verarbeiten, beschreiben und kommentieren urbanes Leben und geben damit der Großstadt ihre Bilder, welche wiederum unsere Vorstellung von Großstadt prägen.
Der Comic, ein Massenmedium, dessen Entstehung und Erfolg ebenso wie der Film untrennbar mit der Großstadt verknüpft ist, reiht sich ein in diese Tradition.
In seinen Bildern findet sich die Stadt in ihren unterschiedlichsten Facetten wieder. Als bedrohlich -chaotischer Stadtdschungel ebenso wie als Ort „gesteigerter Lebensintensität“.(2) …….

(1) zit.: http://www.ndl-medien.uni-kiel.de/mitarbeiter/struck/lehrveranstaltungen/2002/2002-HS2.htm
Priv.- Doz Dr. Wolfgang Struck: Die große Stadt, ein kulturelles Paradigma des 20. Jahrhunderts

(2) zit.: http://www.ndl-medien.uni-kiel.de/mitarbeiter/struck/lehrveranstaltungen/2002/2002-HS2.htm
Priv.- Doz Dr. Wolfgang Struck: Die große Stadt, ein kulturelles Paradigma des 20. Jahrhunderts

Buchgestaltung: Willy Löbl



Un Opera pictural

Nachdem auf dem Comic Salon 2004 in Erlangen ein erster Kontakt mit Francois Schuiten entstanden ist, übernimmt dieser den Kurzfilm Urbicande als Teil seiner neuen Buch - DVD “Un Opera pictural”.
Hierfür komponierte Bruno Letort (Paris) ein neues Musikstück - Urbanologie - welches anschliessend unter Leitung Alexandre Anissimovs vom Nationalorchester Weissrussland eingespielt wurde.

Die Buch - DVD ist bislang nur auf französisch erschienen und über Amazon erhältlich.

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